ROUEN SOUVENIR
Sir Joseph Banks und James Cook
auf Ihrer Expedition durch Rouen 2005.
Iris Holstein und Mattias Hederer
Ich halte einen Fotoapparat in meiner Hand, vor mein Auge. Auch Iris hält sich eine Linse vor ihr Auge, sie hat die Video- kamera. Ihr Objektiv fokussiert eine Strahlenlose Kamille, mein Kamera klickt, als ich Iris bei ihrer Arbeit Fotografiere. Hinter uns donnert der Berufsverkehr Rouens auf der Rue La Fayette vorbei, leichter Nieselregen, ein später Nachmittag im Mai. Iris entnimmt ein besonders prächtiges Exemplar und lässt es in ein Plastiktütchen fallen. Es ist Sammelstück 46 des Herbariums der Stadt Rouen.

Wir sind Teilnehmer einer Expedition des Büro für Raumfragen durch die mittelalterliche französische Stadt Rouen. Als Orientierung dient uns ein Stadtplan, auf welchen wir die Reise- route James Cooks erster Weltumsegelung übertragen haben. Unser Ziel: die Erstellung eines umfangreichen Herbariums in der Tradition des Reisebotanikers Sir Joseph Banks, ebenfalls Teilnehmer Cooks erster Weltreise.

Wir haben heute 34 neue Stücke hinzu bekommen, die
versorgt werden müssen.
Ich öffne eine unserer großen
Pflanzenpressen, damit Iris mit der
Lupe und der
Pinzette den aktuellen Zustand der Fundstücke überprüfen
kann.
Der Wind und der Regen erschweren diese Arbeit
unter Freien Himmel sehr. Ich
wechsle das feuchte
Zeitungspapier
einer der anderen Presse gegen
frisches,
und lege die neuen Funde zwischen
Seidenpapier hinzu.
Die Pressen werden verschlossen und ins Expeditionsfahrzeug
gebracht.
Zehn Tage dauert diese urbane Expedition. Mit 150
Exemplaren in den Pressen
kehren wir zurück. In unserem
Labor in Karlsruhe können die Pflanzen
endlich richtig trocknen.
Eine Woche später ist das Herbarium fertig -
unser Schatz.

Im Schatten eines alten Ginkos und unter aufgespannten Zelt- planen suchen die Zuhörer Schutz vor der gleißenden Sommer- sonne. Sie lauschen den Erzählungen der Expeditionsteilnehmer. Gerade spricht die Urbanismusexpertin und Zitiert aus Italo Calvinos "Die unsichtbaren Städte". Die Reise ist für uns bereits in weite Ferne gerückt, doch das Erzählen bringt uns die Erlebnisse kurzzeitig wieder vor Augen. In den benachbarten Teepavillions des arlsruher Fasanen- gartens stehen unsere Funde, unsere Rouen Souvenirs. Sie bleiben bestehen und erzählen beständig weiter, selbst wenn unsere Erinnerung verblaßt.
