URBANES GRUEN aus METEOROLOGISCHER PERSPEKTIVE

 

 

Mit diesem Beitrag soll die Rolle und Bedeutung von Pflanzen in Städten erläutern. Der Inhalt gliedert sich wie folgt:
♦ unterschiedliche Arten urbanen Grüns
♦ Klimamodelle und ihre Maßstäbe
♦ Wie wirkt das Mikroklima auf den Menschen
♦ Was kann urbanes Grün leisten am Beispiel einer Simulation von Wien

Dachbegrünungen sind eine etablierte Form der Dachgestaltung. Es wird zwischen extensiven, reduziert intensiven und intensiven Dachbegrünungen.

Je nach Bauform können Sukkulente, Gräser und Kräuter bis hin zu Bäumen auf Dächern wachsen. Ein bekanntes Beispiel sind die Gebäude von Friedensreich Hundertwasser.

 

Bei Fassadenbegrünungen kann grundsätzlich zwischen Systemen mit Kletterpflanzen, also rankenden und windenden Arten, sowie mit Stauden unterschieden werden. Kletterpflanzen werden seit Jahrhunderten im urbanen Raum eingesetzt und sind allseits bekannt. Sie können aus dem natürlichen Boden oder aus Trögen mit oder ohne Rankhilfe wachsen. Eine neue Entwicklung stellen sogenannte wandgebunde Systeme dar, die den „Boden“ an die Wand bringen. In diesen Systemen kommen vorwiegend Stauden zum Einsatz.

Der Park, als wichtiger Bestandteil urbaner Freiräume bietet die größte Variabilität der Bepflanzung und zieht Menschen aller Altersgruppen an. Außer Freiräumen können auch wenig frequentierte Verkehrsflächen etwa mit Rasengittersteinen begrünt werden.

Die Meteorologie kennt unterschiedliche „Maßstäbe“ für klimatische Prognosen. Am besten bekannt aus Medien ist das globale Klima. Diese wird auch als Makroklima bezeichnet. Meteorologische Betrachtungen von Ländern, Bezirken oder Städten werden in mesoskaligen Modellen erstellt. Das uns unmittelbar umgebende Klima nennt man Mikroklima.

Die verschiedenen Klimamaßstäbe können nicht einzeln betrachtet werden, sondern interagieren. 

Für die Erstellung einer mesoskaligen Simulation werden zunächst die Rahmenbedingungen des Makroklimas auf das gewünschte Gebiet übertragen. Man spricht von „downscaling“.
Aus der mesoskaligen Betrachtung größerer Bereiche können Teilbereiche extrahiert und genauer untersucht werden.
Am Beispiel Kassel können die Folgen des Klimawandels und des städtischen Wachstums berechnet werden. Mesoklimatische Modelle sind auch in der Lage die Wirkungen von urbanem Grün grob abzubilden und somit großräumige Veränderungen darzustellen.

Unser klimatisches Wohlbefinden setzt sich aus einer Vielzahl energetischer Prozesse zusammen, welche von unserem Körper interpretiert werden. Nicht jeder Mensch hat dasselbe Temperaturempfinden. Skalen, die mikroklimatische Behaglichkeit ausweisen gehen darauf ein.

Unser Wohlbefinden kann auch simuliert werden. Mikroklimatische Modelle sind in der Lage entsprechende Parameter zu berechnen. Der PET ist in diesem Zusammenhang weit verbreitet. Er gibt die physiologisch äquivalente Temperatur, also jene Temperatur, die ein Mensch tatsächlich wahrnimmt. Diese unterscheidet sich von der allgemein bekannten Lufttemperatur teils stark, da sie Luftbewegung, Luftfeuchte, Oberflächentemperaturen und das menschliche Empfinden berücksichtigt.

Energetische Prozesse, die in die mikroskalige Modelle berechnen.

Darstellungen mikroklimatischer Simulationen:

 

Vergleich der Oberflächentemperaturen eines begrünten Gebäudes und seinem Sockelbereich

Schematische Darstellung des physikalischen Wandmodells inklusive Fassadenbegrünung

Modellierung der Mariahilferstraße im Bereich Westbahnhof. Es wurde die Bebauung in ein mikroklimatisches Modell umgewandelt. Ein Hitzetag wurde in der Variante Status Quo sowie mit maximaler Vertikalbegrünung simuliert. Die Variante Status Quo umfasst alle bestehenden Pflanzen. In der Variante mit maximaler Vertikalbegrünung wurden alle Fassaden „virtuell“ begrünt.

Die Abbildung zeigt den Unterschied der gefühlten Temperatur, also des PET,  im Modellgebiet an einem Hitzetag. Eine Reduktion des PET von bis zu über 10°C kann in den pinken Bereichen des Modellgebiets erziehlt werden!

Dies bedeutet, dass urbanes Grün nicht nur das Potenzial hat die Folgen des Klimawandels abzumildern, sondern diese sogar zu überkompensieren.

Die Abbildung zeigt den Unterschied der gefühlten Temperatur, also des PET,  im Modellgebiet an einem Hitzetag. Eine Reduktion des PET von bis zu über 10°C kann in den pinken Bereichen des Modellgebiets erziehlt werden!

Dies bedeutet, dass urbanes Grün nicht nur das Potenzial hat die Folgen des Klimawandels abzumildern, sondern diese sogar zu überkompensieren.