AUSSTELLUNG: das Biotope City Quartier im 10. Wiener Gemeindebezirk

Auf dem ehemaligen Coca-Cola Areal in Wien-Favoriten entsteht derzeit ein neuer Stadtteil. Das Besondere daran: es wird ein Biotope City-Quartier, nach den Prinzipien der Amsterdamer Stiftung Biotope City mit dem Konzept der dichten Stadt als Natur. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: zur Bewältigung des Klimawandels werden die regenerativen Mechanismen der Natur genutzt, und gleichzeitig wird eine Steigerung des Wohlbefindens der Bewohner und ein gutes soziales Miteinander erreicht. An der Planung war maßgeblich Harry Glück beteiligt. Der Planungs- und Umsetzungsprozess wird durch ein Forschungsteam unter Leitung der BOKU Wien begleitet. Eine Ausstellung in der Gebietsbetreuung GB*10 des 10. Wiener Gemeindebezirks zeigt Planungsprinzipien sowie den Forschungs- und Planungsstand zur Umsetzung einer Biotope City am Wienerberg.

Wohnbaustadtrat von Wien Michael Ludwig, Bezirksvorsteherin des 10. Gemeindebezirks Hermine Mospointner und Theresia Vogel, Geschäftsführerin Klima- und Energiefonds mit der Präsentation des Bauvorhabens

Die Ausstellung zur Entwicklung der ehemaligen Coca-Cola-Gründe in der Gebietsbetreuung des 10. Wiener Gemeindebetriebs

Presseerklärung

Auf dem Gelände der ehemaligen Coca-Cola-Produktion in Wien-Favoriten entsteht ein neuer Stadtteil nach den Prinzipien von Biotope City - ein dichtes, durchgrüntes Wohngebiet, das die Leitideen eines städtischen Biotops verwirklichen soll. An der Planung des neuen Stadtteils war Stararchitekt Harry Glück maßgeblich beteiligt. Eine Ausstellung in der Gebietsbetreuung Stadterneuerung im 10. Bezirk (GB*10) informiert ab 11. Mai 2017 über das Konzept und die Planungen am Wienerberg.

Das Biotope City-Quartier wird auf dem ehemaligen Industrieareal entstehen, einem 5,4 Hektar großen Areal am Übergang vom dichtbebauten Inner-Favoriten zu den durchgrünten Gebieten im Süden des Bezirks. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Triester Straße, zur Wienerberg City und zum Erholungsgebiet Wienerberg. Auf 13 Bauplätzen werden insgesamt rund 900 Wohnungen realisiert, davon 608 geförderte Wohnungen, 217 Wohnungen werden als besonders kostengünstige SMART-Wohnungen ausgeführt. Das Konzept sieht großzügige individuelle Freiräume, Gemeinschaftsflächen, wie Schwimmbad, offene Wasserläufe, Kinderspielräume- und plätze sowie Flächen für gemeinschaftliches „urban gardening“ vor. Ergänzt mit einer Schule, einem Kindergarten, Geschäfte der Nahversorgung und Büroflächen bietet das neue Wohnquartier ein breitgefächertes Freiraumangebot. Die Planung wurde in einem kooperativen Verfahren durchgeführt, an dem drei Architekturbüros, FachplanerInnen verschiedener Disziplinen und verschiedener Magistratsabteilungen, sowie VertreterInnen der Bauträger und des Bezirks beteiligt waren. Der Baustart erfolgt im Sommer 2017, die Fertigstellung ist voraussichtlich im Herbst 2019. Bei Gesamtbaukosten von 100,4 Millionen Euro für die geförderten Wohnprojekte schießt die Stadt Wien insgesamt 32,0 Millionen Euro an Fördermitteln für die Schaffung von kostengünstigem, qualitätsvollen Wohnraum zu.

„Auf dem ehemaligen Industrieareal zieht mit der Wohnbebauung neues Leben ein. Mit zahlreichen bauplatzübergreifenden Freiräumen und Gemeinschaftseinrichtungen wird dieses Quartier seinen Bewohnerinnen und Bewohnern eine besonders hohe Wohn- und Lebensqualität bieten", ist Wohnbaustadtrat Michael Ludwig überzeugt.

„Die geplante Entwicklung der ehemaligen Coca-Cola-Gründe ist ein bedeutender Impuls für die Bezirksentwicklung Favoritens. Auf einem ehemaligen Industrieareal entstehen nicht nur hunderte neue Wohnungen, mit dem Konzept der Biotope City wird auch ein wertvoller Beitrag für die ökologische Stadt umgesetzt“, so Bezirksvorsteherin Hermine Mospointner.

BiotopeCity is smart

Dieses vom Klima- und Energiefonds geförderte Forschungsprojekt dient als Vorbereitung für die Umsetzung eines Bündels von Begrünungsmaßnahmen, die zwar als einzelne bereits praktiziert worden sind, jedoch nie als Teil eines systematischen und aufeinander abgestimmten Vorgehens – mit innovativen Methoden zur Abschätzung von Effekten und Kosten von Grünbewuchs, integralen, kooperativen Planungsverfahren sowie neuen Verfahren der Pflege von Begrünung unter Einbezug von BewohnerInnen.

Klima- und Energiefonds-Geschäftsführerin Theresia Vogel: „Dieser holistische und integrative Ansatz gibt dem Smart-Cities-Demo-Projekt einen modellhaften Charakter, dessen Bedeutung weit über Wien hinausreichen kann. Leistbares Wohnen in Verbindung mit grüner Infrastruktur ermöglichen den BewohnerInnen den Übergang zu einer energieeffizienten und klimaverträglichen Lebensweise.“

Das Konzept der Biotope City

Das Konzept Biotope City geht davon aus, dass das Ausmaß an Verstädterung angesichts der damit einhergehenden Umweltfolgen unter dem Klimawandel zu einer neuen Strategie der Kooperation von Stadt und Natur führen muss: Mechanismen der Natur der Selbstregeneration müssen genutzt werden, um die heutigen und die weiterhin zu erwartenden Belastungen des urbanen Lebensumfelds zu mildern. Das heißt, die klimawirksamen Mechanismen der Vegetation zur Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung und zur Luftreinigung sowie des Boden zur Regenwasser-Rückhaltung werden genutzt. Dies hat aber Implikationen: die Integration von vermehrtem Blattgrün (über Bäume, Sträucher, Dachbegrünung, Fassadenbegrünung) ist nicht zu haben ohne die damit verbundene eigene Lebenswelt: Insekten, Vögel, kleine Säugetiere. Die Integration von „Natur“ in die Stadt bedeutet auch, Kohabitation mit natürlichen Lebenswelten, die damit untrennbar verbunden sind. Das erfordert ein weitreichendes Umdenken: Es geht darum, die Stadt nicht länger als Gegenpol zur Natur zu begreifen, sondern als eine spezifische Form von Natur, eingereiht in die Natur-Typologie, die uns vertraut ist: Wald, Weideland, Sumpf, Felsgebirge, Düne etc. Damit lässt sich begreifen, dass auch die Stadt eingebettet ist in die komplexen Zusammenhänge der Natur.
Den Anstoß zur Realisierung des Biotope City-Konzepts auf dem ehemaligen Coca-Cola-Gelände gab noch der im Jahr 2016 verstorbene Harry Glück, dessen von Anthropologen und Biologen beeinflusste Idee von Städtebau sich in seinem bekanntesten Projekt Alterlaa manifestierte. Bis heute stehen Glücks Bauten für höchste Wohnzufriedenheit. Angesprochen von der Idee der dichten Stadt als Natur kontaktierte Harry Glück die Stiftung Biotope City, um in Wien ein Modell des zukunftsgerechten urbanen Wohnens und Lebens nach den Prinzipien von Biotope City zu bauen. Auf den ehemaligen Coca-Cola-Gründen geht es um eine Fortsetzung und zeitgemäße Auffrischung der Intentionen der so erfolgreichen Glück-Bauten.

Die geförderten Wohnprojekte im Überblick

Bauplatz 3:
Bauträger: ÖSW
Architektur: RLP
197 geförderte Wohneinheiten – davon 66 SMART-Wohnungen
SMART-Wohnungen: Miete: € 7,50 brutto/m², Eigenmittel:€ 60,00/m²
Klassisch geförderte Wohnungen: Miete: voraussichtl. € 7,25 brutto/m², Eigenmittel: voraussichtl. € 500,00/m²

Bauplatz 4-1:
Bauträger: Gesiba
Architektur: RLP
63 geförderte Wohneinheiten – davon 21 SMART-Wohnungen
SMART-Wohnungen: Miete: € 7,50 brutto/m², Eigenmittel:€ 60,00/m²
Klassisch geförderte Wohnungen: Miete: voraussichtl.€ 6,92 brutto/m², Eigenmittel: voraussichtl.€ 400,00/m²

Bauplatz 4-2:
Bauträger: Gesiba
Architektur: RLP
29 geförderte Wohneinheiten – davon 24 SMART-Wohnungen
SMART-Wohnungen: Miete: € 7,50 brutto/m², Eigenmittel:€ 60,00/m²
Klassisch geförderte Wohnungen: Miete: voraussichtl. € 7,16 brutto/m², Eigenmittel: voraussichtl. € 420,00/m²

Bauplatz 5:
Bauträger: Wien Süd
Architektur: Glück/HD Architekten
98 geförderte Wohneinheiten - davon 33 SMART-Wohnungen
SMART-Wohnungen: Miete: € 7,50 brutto/m², Eigenmittel: € 60,00 pro m²
Klassisch geförderte Wohnungen:
Miete: voraussichtl. € 7,92 brutto/m², Eigenmittel: voraussichtl. € 499,00/m²

Bauplatz 6:
Bauträger: ARWAG
Architektur: Glück/Peretti&Peretti
160 geförderte Wohneinheiten - davon 53 SMART-Wohnungen
SMART-Wohnungen: Miete: € 7,50 brutto/m², Eigenmittel: € 60,00 pro m²
Klassisch geförderte Wohnungen: Miete: voraussichtl. € 7,53 brutto/m², Eigenmittel: voraussichtl. € 499,00/m²

Bauplatz 7:
Bauträger: Gesiba
Architektur: RLP
61 geförderte Wohneinheiten – davon 20 SMART-Wohnungen
SMART-Wohnungen: Miete: € 7,50 brutto/m², Eigenmittel: € 60,00/m²
Klassisch geförderte Wohnungen: Miete: voraussichtl. € 6,89 brutto/m², Eigenmittel: voraussichtl.€ 450,00/m²

Die Ausstellung in der GB*10 zeigt Planungsprinzipien und Planungsstand zur Biotope City Wienerberg.

Ausstellung Biotope City Wienerberg
Eröffnung: 11. Mai 2017, 18 Uhr

zu sehen bis 2. Juni 2017 (zu den GB*-Öffnungszeiten)
GB*10, Quellenstraße 149 (im Hof), 1100 Wien

Rückfragehinweis für Medien
Elke Eckerstorfer
GB*10
Quellenstraße 149, 1100 Wien
Tel: (+43 1) 602 31 38
E-Mail: gb10@gbstern.at
www.gbstern.at/10

soweit die Presseerklärung des Wohnbaustadtrats

 

Vision des Quartiers ©Schreiner&Kastler

 

Das Projekt 'Biotope City Quartier' betritt Neuland und wird dabei wissenschaftlich betreut durch ein Forschungskonsortium

Nichts ist so wirksam gegen sommerliche Hitze wie das Blattgrün von Bäumen, grünen Dächern und begrünten Fassaden. Garteln, sich aufhalten und spielen mit Naturerfahrung im unmittelbaren Außenraum: das ist eine gewinnbringende Begegnung von Menschen mit Flora und Fauna und ist eine einfache Möglichkeit zur Verbesserung der Biodiversität. Die dichte Stadt als Natur bedeutet die Öffnung und Bereitstellung von Möglichkeiten für die Ansiedlung von Flora und Fauna. Die Pflanzen- und Tierwelt wird jedoch nicht lediglich als Dekoration eingesetzt, sondern mit dem Ziel, die regenerativen Mechanismen der Natur zur Bewältigung der Belastungen durch den Klimawandel zu nutzen Die damit verbundene Komplexität erfordert ein weitreichendes Umdenken der Stadtplanung, der Architektur, des Quartiersmanagements und auch der zukünftigen BewohnerInnen.

Das Projekt ist eine Fortsetzung und zeitgemäße Auffrischung der Intentionen der so erfolgreichen Bauten von Harry Glück: artgerecht für die Species Homo Sapiens unter heutigen und zukünftigen klimatischen Bedingungen, umweltgerecht für die Biodiversität, ressourcenschonend, kluge Nutzung von Natur zur Ergänzung und Verbesserung unserer technischen und sozialen Lösungen  - und gleichzeitig ist es ein Beitrag zur Reduktion des CO2-Ausstosses und damit zur Erfüllung der Verpflichtungen Österreichs im Pariser Klima-Abkommen.

Entsiegelung durch Neubau!

Trotz dichter Bebauung wird eine erhebliche Vergrößerung der Grünoberfläche gegenüber dem ursprünglichen Zustand erreicht. Das Quartier verwandelt sich durch Dachbegrünung, Grünterrassen, Fassadenbegrünung und vielfältiger Freiraumgestaltung in eine grüne Stadtlandschaft.

Die Renaturierung der dichten Stadt ist das Ziel: die urbane Dichte selbst wird Teil der Natur. Die regenerativen Mechanismen der Natur werden als Instrumente zur Bewältigung des Klimawandels genutzt und gleichzeitig bedeutet dies eine Steigerung des Wohlbefindens und eine Verbesserung des Zusammenlebens durch einen aktiven Umgang mit Flora und Fauna.

Das Projekt auf dem ehemaligen CocaCola-Areal im 10. Wiener Gemeindebezirk wird in enger Kooperation zwischen ArchitektInnen, LandschaftsarchitektInnen und -planerInnen sowie natur-engagierten BautechnikerInnen und von sieben Bauträgern entwickelt. Das Forschungsprojekt „Biotope City ist smart“, gefördert vom Klima- und Energiefonds, begleitet den Planungs- und Umsetzungsprozess. Das Forschungsteam, besteht aus dem Institut für Landschaftsplanung BOKU Wien, Stiftung Biotope City, green4cities GmbH, Rüdiger Lainer + Partner Architekten ZT GmbH, Dr. Roland Mischek, wohnbund:consult – Büro für Stadt.Raum.Entwicklung sowie Auböck + Kárász Landscape Architects, es berät und unterstützt mit Knowhow. An vielen Punkten wird Neuland betreten. Die Ansiedlung von Vögeln wird unterstützt durch ein Unterrichtsprojekt des Gymnasiums Rahlgasse, dessen Schüler für das Biotope City Quartier im Werkunterricht Nistmöglichkeiten für Vögel und Insekten bauen. 

Das Coca-Cola Areal und die Planung

Das Areal der ehemaligen Coca-Cola Produktion umfasst 5,4 ha, auf dem ca. 950 neue Wohnungen entstehen, wovon zwei Drittel gefördert werden. Ergänzt wird das Angebot durch Büroflächen, eine Schule, einen Kindergarten, Geschäfte der Nahversorgung, Gemeinschaftsflächen, und ein breites Freiraumangebot wie Kinderspielplätzen für verschiedene Altersgruppen, offenen Wasserläufen, Flächen für Mietergärten und gemeinschaftliches Urban Gardening. Die städtebauliche Planung wurde in einem kooperativen Verfahren durchgeführt, an dem drei Architekturbüros, Fachplaner verschiedener Disziplinen und verschiedener Magistratsabteilungen sowie Vertreter der Bauträger und des Bezirks beteiligt waren. 

Der Baustart soll im Sommer 2017 erfolgen, die Fertigstellung ist bis zum Herbst 2019 geplant. Das Freimachen des Geländes hat begonnen. Kein Bauschutt wird abgefahren, dass bedeutet ein weitgehendes Recycling. Auch das Niederschlagswasser bleibt auf dem Areal. Die Qualitätskriterien der Biotope City werden durch alle Beteiligten umgesetzt. 

Architekturbureaus, Freiraumplanung, Konsulenten:

• Auböck+Kàràsz Landscape Architects
• BKK-3 Architektur ZT-GmbH
• Foundation Biotope City 
• Arch. Harry Glück / Peretti + Peretti ZT GmbH
• HD Architekten ZT GmbH
• Knollconsult Umweltplanung ZT GmbH
• Rüdiger Lainer + Partner ZT GmbH
• Lehner Real Consulting GmbH
• Architekt DI Thomas Matthias Romm - forschen planen bauen ZT
• STUDIOVLAY ZT-GMBH
• Dipl.-Ing. Schattowitz Zivitechniker GmbH

Forschungstream 'Biotope City is smart'

• Universität für Bodenkultur Wien
Institut für Landschaftsplanung (ILAP / H854)
Foundation Biotope City
• Rüdiger Lainer + Partner Architekten ZT GmbH
• Green4Cities GmbH
• Wohnconsult
• Dr. Ronald Mischek ZT GmbH
• Auböck+Kàràsz Landscape Architects
• Wohnbund:consult Wien

Ausstellung in der Gebietsbetreuung des 10. Wiener Gemeindebezirks

Die Ausstellung dazu wird am 11.Mai in den Räumlichkeiten der GB*10 von der Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, GR Kurt Stürzenbecker, BVin-Stv. Joseph Kaindl sowie DI Theresia Vogel Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds eröffnet. Sie läuft bis 2.Juni 2017.