Edmund Maurer
1. Historischer Rückblick
In den 60er und 70er Jahren erlebte Linz einen gewaltigen wirtschaftlichen Boom insbesonders durch die verstaatlichte Stahl- und Chemieindustrie. Diesem wirtschaftlichen Höhenflug auf der Habensseite stand jedoch eine katastrophale Sollseite auf der Umweltseite gegenüber.
Sowohl die Luftverschmutzung (mangels fehlender oder zu wenig effektiver Luftfilter) als auch der dramatische Verlust von (landwirtschaftlichen) Grünflächen bewirkten ein schrittweises Umdenken bei den Bürgern und deren politisch Verantwortlichen.
Das geeignete Planerische Instrument, diesen rasanten Verlust an Grünflächen zu dokumentieren, war der für Österreich einzigartige und von der Stadt Linz entwickelte

2. Der Grünflächenplan
Der ursprüngliche Grünflächenplan wurde bereits 1965 zum ersten- mal erstellt und in überarbeiteter Form 1985 vom Gemeinderat beschlossen.

Der Grünflächenplan beurteilt im wesentlichen den Durchgrünungsgrad des Baulandes, weist Bauland-reserven aus und hat den Flächenwidmungsplan als Planungsgrundlage.
Der Grünflächenplan war mitverantwortlich, daß bereits 1985 in den Bebauungsplänen Dachbegrünungsmaßnahmen vorgeschrieben wurden.

Der Grünflächenplan wurde 1991 zum 2. Mal überarbeitet und 2001 zum 3. Mal erstmals in digitaler Form aufgelegt.

1989 wurden in Linz zum ersten Mal Dachbegrünungen und Fassadenbegrünungen von der Stadt Linz finanziell gefördert.
Interessant in diesem Zusammenhang erscheint die Zielformulierung der Förderung: Hebung der Wohnqualität
Der Förderungssatz betrug 1989 max. 30% der förderungswürdigen Kosten. Derzeit beträgt der Förderungssatz max. 5% bei einer Obergrenze bis max. € 7.500.-
Die Ausführungspflicht von Dachbegrünungen wird für die Bauherren seit 1985 verbindlich in den gebietsbezogenen Bebauungsplänen (BPL) festgelegt.

Anfangs gab es seitens der Bauherrenschaft und Architekten noch erheblichen Widerstand gegen Dachbegrünungen. So wurde insbesonders die erhöhte Brandgefahr (nach einem diesbezüglichem Zwischenfall in Deutschland) häufig als Ablehnungsgrund angeführt.
Die Stadt Linz konnte jedoch mit einer gezielten Informationskampagne über die unbestrittenen Vorteile von Dachbegrünungen schließlich die Gegner schrittweise von der Sinnhaftigkeit dieser nachhaltigen Begrünungsmaßnahme überzeugen.
Das Fehlen von großteils wissenschaftlich abgesicherten Daten über Dachbegrünungen erschwerte in der Anfangsphase die Überzeugungsarbeit erheblich.
Durch die intensive Forschungstätigkeit von Universitäen und Forschungsanstalten (insbesonders in Deutschland) konnte aber diese Wissenslücke mittlerweile geschlossen werden.