Paris in Grün...
Gespräch mit Annette Huard
Ingénieure en Chef, Direction des Espaces Verts et de l’Environnement.
Service du Paysage et de l’Environnement
Marieluise Neuhaus und Danièle Weiller
Paris ist ja ganz offensichtlich Avantgarde, was die Begrünung des städtischen Raums betrifft. Auf welche Weise ist die Stadt Paris dazu gekommen, diese sehr voluntaristische und in unseren Augen vorbildliche Politik zu betreiben?
Die ersten Überlegungen und Experimente, vor allen Dingen mit Patrick Blanc im Park von Vincennes, stammen noch aus der Zeit der früheren Stadtregierung. Dann sind die Dinge bis zum Wechsel der Stadtregierung im Jahr 2000 in der Schwebe geblieben. Mehrere Faktoren sind dabei zusammen gekommen, um eine Neuorientierung zu definieren und auszuarbeiten.
- Die überarbeitete Fassung des Plan Local d’Urbanisme der Stadt Paris (PLU), dieser Plan, gewissermassen der Masterplan der Stadt, empfiehlt nachdrücklich die vertikale Begrünung, weil die für eine traditionelle Form von Begrünung zur Verfügung stehenden Flächen immer weniger werden. (Wie das etwa der Fall war durch die Umwidmung von Flächen, insbesondere der Eisenbahngelände, die zur Realisierung der Parks von Eole oder von Batignolles benutzt worden sind).
- Für alle neuen Gebäude legt der PLU den Einwohnern nahe, die Wände und die als Dachterrassen geplanten Flachdächer zu begrünen und für die Pflege zu sorgen. Es werden Subventionen für die Begrünung der Dachterrassen vergeben (für als 'freie Flächen' registrierte Flächen wird eine Bauerlaubnis nur unter dieser Bedingung gegeben).
- Die Konferenz für Nachhaltige Entwicklung hat eine Politik der Biodiversität sowohl auf dem Lande als auch in der Stadt ingang gebracht.
Man kann also hier ein Zusammentreffen der globalen und lokalen Tendenzen feststellen. Das geht Hand in Hand mit einer Politik der Lebensqualität (mehr Raum für Fussgänger, begrünte Spazierwege, für und Radwege).
Der ehemalige Stadtrat Yves Contassot, betraut mit Umweltfragen, Grünflächen und Abfall, hat sich in seiner Amtsperiode besonders für diese Thematik eingesetzt. 2003 sind Landschaftsplaner, die bereits an anderen Orten in diesem Sinne gearbeitet hatten, zu Rat gezogen worden, um praktikable Ideen zu finden.
Diesen Landschaftsplanern verdankt man übrigens auch andere Initiativen wie die der ‚Jardins partagés’ (Gemeinschaftsgärten). [hierzu wird BIOTOPE CITY in Kürze einen Bericht bringen - die Redaktion]
Seit 2003 sind in Paris in der Innenstadt 90 begrünte Wände realisiert worden. Aber man kann und wird noch sehr viel mehr Stellen finden für eine zukünftige Begrünung.
In allen europäischen Städten ist die Begrünung eher das Stiefkind der städtischen Politik. Neue Gebäude, Renovierungen und Verkehrsführung haben weitgehend Vorrang vor Grünflächen.
Wie wird in Paris die Realsierung der Politik der Grünen Flächen organisiert?
In Paris gibt es viele kleine Flächen, wo es wünschenswert ist zu intervenieren:
Ecken, die Sauberkeitsprobleme verursachen und/oder auf unerwünschte Weise benutzt werden, Brandwände, die eine unattraktive Oberfläche präsentieren etc. Es gibt zahlreiche Anfragen von Bewohnern, um solche Stellen zu begrünen.
Die Stadt kann allerdings nur bei öffentlichen Flächen aktiv werden. Das stellt eine Einschränkung dar, denn es gibt viele kleine Stellen und Ecken, die eigentlich private Flächen sind aufgrund diverser stadtplanerischer Regelungen, die im Laufe der Zeit entstanden sind - so zum Beispiel dann, wenn bei der Rückverlegung der Fluchtlinie eine Fläche entstanden ist, die nicht enteignet worden ist (und in Frankreich auch nicht enteignet werden darf), die also privat geblieben ist, und für die die Stadt nicht zuständig ist, obwohl sie quasi im öffentlichen Raum liegt.
Wir haben eine Typologie von technischen Lösungen der vertikalen Begünung entwickelt und diese ist auch eingeführt worden. Sie wird beschrieben in dem Führer für die nachhaltige Einrichtung des öffentlichen Raums (siehe den Guide d’Aménagement Durable des Espace Public. Februar 2007). Da werden die folgenden Typen genannt:
1. die Begrünung vom Boden aus durch Kletterpflanzen, die sich an den Wänden festheften
Beispiel: rue des Fauconniers, Paris 4e

2. eine Begrünung, die aus einem einfachen Klettergerüst aus gespannten Kabeln besteht und aus Pflanzen, die punktuell in einen Graben eingesetzt werden.
3. eine Begrünung, die den Typ 2 mit einer Strauchbepflanzung in der Erdgeschosszone verbindet und die eine automatische Bewässerungsanlage aufweist.
Beispiel: rue Mazagran / Ecke rue Davy et Guy Moquet, Paris 14e

4. eine Begrünung durch ein vor der Wand angebrachtes Trag-System, in die Behälter für Pflanzen eingehängt werden. Beipiel: Avenue Myron Herrick, Paris 8e

5. Daneben sind einige andere Formen mit innovativer Technik entwickelt, die auch in einzelnen Fällen realisiert worden sind. 
Wie sehen die Beziehungen zwischen der Direktion des Parcs et Espaces Verts mit den anderen Behörden der Stadt Paris aus?
Es gibt gewisse Grenzen...
Technische Probleme und Sicherheitsprobleme: Regeln bezüglich der Arbeit in der Höhe, Schutz des Personals, um die Pflege der Wände in 2-3 m Höhe zu ermöglichen.
Finanzielle Probleme: Wenn man begrünte Wände realisiert, muss man auch an die Pflege denken. Es gibt finanzielle Begrenzungen, die nicht erlauben, genügend Personal einzustellen.
Und dann gibt es das Problem des Amtsweges:
Man muss alles so zügig wie möglich betreiben, weil es doch ziemlich lange dauert, bis man alle nötigen Genehmigungen erhalten hat, wie z.B. die der Behörde Bâtiments de France.
Wenn man die internet-site der Stadt Paris liest, ist man erstaunt über die Vielfalt der Initiativen und ganz besonders über den Versuch, die Bewohner bei der Begrünung der Stadt zum Mitmachen zu stimulieren (Gemeinschaftsgärten, kleine Gärten um die Bäume herum). Wie sieht es nun tatsächlich mit dem Interesse der Bevölkerung aus?
Die Bewohner sind ganz besonders interessiert an den Gemeinschaftsgärten. Es gibt zahlreiche Anfragen für solche Gärten. [Hierzu s. den Bericht, der demnächst in BIOTOPE CITY erscheinen wird - die Redaktion]
5. Können Sie uns etwas zur Finanzierung all dieser Projekte sagen? Gibt es dazu zusätzliche Mittel?
Die Quartiersräte sind 2002 aufgefordert worden, Vorschläge zu machen. Es hat Tausende von Anfragen gegeben. Alle Anfragen sind analysiert worden und haben positive oder negative Antworten erhalten. Man hat versucht, einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Arrondissements herzustellen. Das Budget Begrünung des öffentlichen Raums ist durchaus bedeutend und wird ständig erhöht seit dem Beginn der derzeitigen Legislaturperiode und auch in Zusammenarbeit mit der Verkehrsplanung.
Die Genehmigung der Programme bezieht sich entweder auf einzelne Projekte oder auf ein Paket von Projekten der Begrünung des öffentlichen Raums. Auch hier versucht man, die Projekte über die Arrondissements gleichmässig zu verteilen.
Wenn es verschiedene Anfragen gibt, vermittelt ein Schiedsgericht, um eine Einigung zwischen den Bürgermeistern der Arrondissements, den Quartiersräten, den Architekten der 'Batiments de France' und der Verkehrsplanung herzustellen.
BIOTOPE CITY dankt Mme Huard für dieses Gespäch