WIRTSCHAFTLICHKEIT VON GRÜNDÄCHERN (unfertig)

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Abstract

An der Hochschule Anhalt (FH) in Bernburg (D) hat der Verfasser die Wirtschaftlichkeit von Dachbegrünungen der ZinCo GmbH in Unterensingen untersucht. Unter der Betreuung von Prof. Dipl. Ing. Rainer K. Schöffel und Dipl. Ing. (FH) Axel Heinrich wurde der Nachweis erbracht, dass Dachbegrünungen auch einer betriebswirtschaftlichen Prüfung standhalten.
Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Im theoretischen Teil erfolgt eine Analyse der vielfältigen Wirkungen von Dachbegrünungen unter wirtschaftlichen Aspekten. Basierend auf diesen Erkenntnissen erfolgt im zweiten Teil eine Prüfung der Wirtschaftlichkeit von 24 Objekten mit extensiv begrünten Dächern.
Die vielfältigen positiven Eigenschaften und Wirkungen von begrünten Dachflächen sind bekannt. In Zeiten in denen der „Geiz ist geil“ Slogan den Alltag vieler Menschen bestimmt, reichen ökologische Gründe allein nicht aus um Jeden überzeugen zu können. Daher wird in der Arbeit der Schwerpunkt auf den betriebswirtschaftlich quantifizierbaren Nutzen gelegt, den der Bauherr / Eigentümer aus einem begrünten Dach ziehen kann. Dieser setzt sich vor allem zusammen aus:

- Verlängerung der Lebensdauer der Dachabdichtung
- Fördermittel
- Reduzierung der Abwassergebühren
- Energieeinsparung / Wärmedämmung

Diese Wirkungen sind gut quantifizierbar und können den notwendigen Aufwendungen für die Herstellung und Pflege der Dachbegrünung gegenübergestellt werden. Diese Gegenüberstellung erfolgt bei den Wirtschaftlichkeitsanalysen der 24 Objekte. Die Größe der begrünten Dachflächen variiert zwischen 21 m² und 2350 m². Insgesamt verfügen die untersuchten Gebäude über eine Dachfläche von 14729 m². Die Dachneigung beträgt zwischen 0° und 35°. Für die Untersuchung der Wirtschaftlichkeit erfolgt eine Gegenüberstellung von wirtschaftlichem Aufwand und Nutzen für einen Betrachtungszeitraum von 40 Jahren. Im Vergleich zu einem unbekiesten / frei bewitterten Dach rechnen sich bei 13 von 24 Objekten die Dachbegrünungen für den Bauherren. Im Vergleich zu einem bekiesten Dach überwiegt der wirtschaftliche Nutzen den Aufwand sogar bei 21 von 24 Objekten. Diese Unterscheidung in frei bewitterte und bekieste Dächer trägt den üblichen Bauweisen Rechnung. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache zu Gunsten der Dachbegrünung.

 

1         Einleitung

Es ist weitgehend unbestritten, dass eine Dachbegrünung aus ökologischer Sicht sinnvoll und empfehlenswert ist. Vielfach trifft man jedoch auf die Aussage, dass eine Dachbegrünung zu teuer ist.
Diese Aussage soll in diesem Referat geprüft, indem für 24 begrünte Dächer das Kosten-Nutzen-Verhältnis untersucht wird. Es handelt sich dabei um mehrschichtige Extensivbegrünungen mit einer Fläche zwischen 21 m² und 2350 m².

2         Wirtschaftlichkeit

Um eine Aussage über die Wirtschaftlichkeit eines Gründaches treffen zu können, muss man den finanziellen Aufwand dem ökonomischen Nutzen gegenüberstellen. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die einzelnen zu betrachtenden Faktoren. Bei den Nutzfaktoren erfolgt nochmals eine Unterteilung in betriebswirtschaftlich (für ein Individuum) und volkswirtschaftlich (für die Gesellschaft).

Tabelle 1  Gegenüberstellung Aufwand-Nutzen

Im weiteren Verlauf erfolgt eine Fokussierung auf die betriebswirtschaftlichen Aspekte eines Gründaches. Die ökologischen und volkswirtschaftlichen Vorteile wurden nicht berücksichtigt, da sie wissenschaftlich fundiert nicht in einen finanziellen Gegenwert umgerechnet werden können. Sie sollen damit jedoch nicht in Abrede gestellt werden.

 

3          Betriebswirtschaftliche Nutzfaktoren


3.1             Lebensdauer der Dachabdichtung

Die Verlängerung der Lebensdauer der Dachabdichtung ist einer der entscheidenden Nutzfaktoren von begrünten Dächern. Durch den Begrünungsaufbau werden die thermischen, chemischen und physikalischen Einwirkungen auf die Dachabdichtung reduziert. Vor allem die thermischen Eigenschaften eines Gründaches wurden in vielen Versuchen analysiert und veröffentlicht. Durch die Reduzierung der Temperaturschwankungen wird die Dachabdichtung unter der „grünen Hülle“ weniger stark beansprucht als dies bei einem bekiesten bzw. frei bewitterten Dach der Fall wäre. Mit dieser Thematik haben sich verschiedene Untersuchungen auseinander gesetzt wie z.B. BASLER&Hofmann (1998), HUBER&SUHNER AG (1994) und VITAL (1996). Auf der Grundlage dieser verschiedenen Untersuchungen erscheint eine Verdoppelung der Lebensdauer der Dachabdichtung unter einem Gründach im Vergleich zu einer frei bewitterten/bekiesten Dachabdichtung als realistisch. Unter einer Kiesauflage kann die Lebensdauer der Dachabdichtung unter Umständen sogar nochmals um 1/3 reduziert werden .

Nicht vergessen werden darf bei der Betrachtung der Lebensdauer der Dachabdichtung jedoch die Tatsache, dass die Planung und die Ausführungsqualität einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensdauer der gesamten Fläche haben. Mehr als Dreiviertel aller Flachdachschäden gehen auf fehlerhafte Planung (ca.34%) und mangelhafte Ausführung (ca. 45%) zurück .

Um für die Wirtschaftlichkeitsberechnungen im weiteren Verlauf eine vergleichbare Grundlage zu haben, werden die folgenden verallgemeinerten Zahlen für die Lebensdauer von Dachabdichtungen angenommen:

Flachdach frei bewittert / bekiest  -  20 Jahre                                                    

Flachdach begrünt                        -  40 Jahre

Quellen : ERNST (2001): „Dachabdichtung – Dachbegrünung“ S.13, HUBER&SUHNER AG (1994): „Sonderdruck aus BAU-INFO“

3.2             Fördermittel

Einige Länder / Gemeinden bieten einen finanziellen Anreiz in Form von direkten Fördermitteln für die Begrünung von Dachflächen. Die Situation ist hierbei jedoch sehr unterschiedlich. Es bestehen keine bundesweit geltenden Förderprogramme. Lediglich in Nordrhein-Westfalen gibt es landesweit die Möglichkeit der Bezuschussung von Dachbegrünungen. Dies gilt für Aufbauten, die einen Abflussbeiwert < 0,30 haben. Die Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB) hat im Jahr 2004 eine Umfrage bei Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnern durchgeführt. Insgesamt haben sich von 1488 angefragten Kommunen 636 an der Umfrage beteiligt. Von diesen 636 Kommunen besteht in 84 die Möglichkeit einer direkten finanziellen Bezuschussung von Dachbegrünungen. Dies entspricht einem Anteil von ca. 13 %. Ein genauer Blick auf die Lage der Gemeinden und die Förderhöhe zeigt jedoch, dass es sich bei Vielen um Mittel aus dem o.g. Landesförderprogramm in Nordrhein-Westfalen handelt. Der Anteil der Kommunen, die ein eigenes Förderprogramm initiiert haben, dürfte daher im einstelligen Prozentbereich liegen. In Zeiten leerer Haushaltskassen ist hier auch keine Verbesserung zu erwarten. 

 

3.3             Reduzierung Abwassergebühren

Der Begrünungsaufbau speichert Niederschlagswasser bzw. gibt es zeitverzögert an die Entwässerung ab. Durch reduzierte Abwassergebühren und verringerte Versiegelungsabgaben fördern viele Kommunen indirekt Entsiegelungsmaßnahmen, zu denen auch die Dachbegrünung zählt. Voraussetzung dafür ist jedoch die „getrennte / gesplittete Abwassergebühr“. Im Gegensatz zur Abwassergebühr auf der Basis des Frischwasserverbrauchs, wird bei der getrennten Abwassergebühr zwischen Schmutzwasser und Niederschlagswasser unterschieden. Dadurch kann ein Anreiz für die Reduzierung des eingeleiteten Niederschlagswassers geschaffen werden.

 

In ihrer Umfrage zur Förderung von Dachbegrünungen im Jahr 2004 hat die FBB (2005) auch die Struktur der Abwassersatzungen abgefragt. Von den teilnehmenden 636 Gemeinden haben 250 eine getrennte Abwassersatzung eingeführt. Dies entspricht einem Anteil von knapp 40 %. Jedoch werden nicht bei allen Satzungen Dachbegrünungen begünstigt.

Tabelle 2 zeigt die Abwassergebührenstruktur der untersuchten Objekte des Autors. In 12 von 21 Gemeinden erfolgt eine Trennung in Schmutz- und Niederschlagswasser. Dies entspricht einem Anteil von ca. 57 %. Jedoch werden nur in 9 Gemeinden begrünte Dächer finanziell begünstigt. In den übrigen Gemeinden sind sie normalen versiegelten Flächen gleichgestellt.

 

FBB (2005): „Auswertung der Umfrage Dachbegrünung an Stadtverwaltungen von Städten über 10.000 Einwohner“

 

Tab. 2 Übersicht Abwassergebühren der Untersuchungsobjekte

Stadt

Gebühr SM Gebühr NW Gebühr NW Gründach Ersparnis NW Gebühr Ersparnis
  m3 m2/Jahr m2/Jahr %  
Baden-Baden 1,49 - - 0,00 0
Münster 1,42 0,40 0,08 0,32 80
Tübingen 2,20 - - 0,00 0
Weissach 2,05 - - - -
Dresden 1,73 1,15 0,55 0,58 50
Köln 1,23 1,10 0,55 0,55 50
Ettlingen 1,49 - - - -
Bonn 1,98 1,03 0,93-0,53 0,10-0,51 10-50
Bornheim-Brenig 2,99 1,50 1,13 0,38 25
Düsseldorf 1,43 0,96 0,96 0,00 0
Grosshadern 1,56 1,30 0,39 0,91 70
Prien 0,53 - - - -
Frechen 2,35 1,24 1,24 0,00 0,00
Magdeburg 2,11 0,44 0,13 0,31 70
Riesa 2,20 - - - -
Hohenwart 1,40 - - - -
Leipig 5,29 0,79 0,36 0,43 55
Schwanebeck 3,51 - - - -
Unterensingen 3,66 - - - -
Lörrach 1,27 0,69 0,35 0,35 50

  

Quelle: SCHÖNEMANN (2004): „Wirtschaftlichkeit von Dachbegrünungen“ S.28

 

3.4             Energieeinsparung

Einen weiteren betriebswirtschaftlichen Nutzen erbringen Dachbegrünungen durch ihre isolierenden Eigenschaften. Im Winter bewirkt der Begrünungsaufbau einen geringeren Wärmeverlust an die Umgebung. Im Sommer erfolgt eine Verringerung des Wärmedurchgangs in der entgegengesetzten Richtung, so dass sich das Gebäude weniger stark aufheizt. Mit Ausnahme spezieller Styropor-Dränageelemente, die über einen bauaufsichtlichen Zulassungsbescheid verfügen, dürfen diese thermischen Eigenschaften bei der Berechnung der Wärmedämmung nicht berücksichtigt werden, bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollen sie jedoch trotzdem eingerechnet werden. Speziell für Dachbegrünungkomponenten hat PINTER (2003) die thermischen Eigenschaften untersucht. Ihre Ergebnisse finden bei den nachfolgenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen Verwendung. Objektspezifische Berechnungen wären jedoch sehr aufwendig und würden durch eine Vielzahl verschiedener Faktoren zusätzlich beeinflusst. Daher werden ähnlich wie bei der Verlängerung der Lebensdauer der Dachabdichtung für den Einfluss der Energieeinsparung auf die Wirtschaftlichkeit, folgende verallgemeinerte Werte angesetzt.

 

    Extensivaufbau mit Polyethylen-Dränageelementen:          0,50 €(m-²a-1)

    Extensivaufbau mit Styropor-Dränageelementen:               0,75 €(m-²a-1)

    Wärmedämmende Begrünung mit Styropordämmung:        1,00 €(m-²a-1)

 

Diese betriebswirtschaftlichen Hauptnutzfaktoren werden durch einige Weitere ergänzt, wie beispielsweise Repräsentativwirkung, Wertsteigerung, Steuervorteile, Zinsgünstige Kredite, etc. Sie sollen jedoch nur am Rande erwähnt werden, da ihre Wirkung nur bedingt in einen finanziellen Gegenwert umgerechnet werden kann bzw. sie nur unter bestimmten Voraussetzungen genutzt werden können.

 

PINTER (2003): „Tagungsband EFB-FBB Symposium 2003“ S.17

3.5             Kostenvergleichsrechnungen

Für die Kostenvergleichsrechnungen (KVR) bieten sich verschiedene Methoden an. Die statische Kostenvergleichsrechnung ist eine einfach nachzuvollziehende Methode, bei der die einzelnen Faktoren unabhängig von ihrer zeitlichen Fälligkeit gegenübergestellt werden. Da es sich bei der Wirtschaftlichkeit von Dachbegrünungen jedoch um eine langfristige Betrachtung handelt, ist eine statische Rechnung nur bedingt geeignet.

 

Mit einer dynamischen Kostenvergleichsrechnung werden die unterschiedlichen Zeitpunkte der jeweiligen Zahlungen/Investitionen berücksichtigt. Grundlage für diese Berechnungen bilden die KVR Leitlinien der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) . Mit Hilfe von finanzmathematischen Formeln wird die unterschiedliche zeitliche Gewichtung von Kosten auf einen bestimmten Bezugszeitpunkt berechnet. Die dabei entstehenden Werte werden als Barwerte bezeichnet. Vor dem Bezugszeitpunkt anfallende Kosten werden akkumuliert (aufgezinst), danach anfallende diskontiert (abgezinst). Als anzurechnenden Zinssatz empfiehlt die LAWA 3%.

 

Was bedeutet nun diese mathematische Theorie für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von Gründach und Kiesdach? Wie Tabelle 3 zeigt, verteilen sich die anfallenden Kosten und Einsparungen auf unterschiedliche Zeitpunkte:

 

LAWA (2005): „Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen(KVR-Leitlinien)“

 

Tab 3    Zeitliche Fälligkeit der Kosten bei Gründach und Kiesdach

 

Gründach

Kiesdach

Herstellkosten

Zeitpunkt t=0

Zeitpunkt t=0

Erneuerung Dachabdichtung

-

Nach 20 Jahren t=20

Unterhalt / Wartung

Jährlich

Jährlich

 

Bezogen auf den Betrachtungszeitpunkt t=0 entsprechen die Kosten für die Erneuerung der Dachabdichtung nach 20 Jahren nicht dem Faktor 1. Sie sind mit dem Diskontierungsfaktor DFAKE (3;20) = 0.55368 abzuzinsen. Gleiches gilt für die Laufenden Kosten / Einsparungen. Da ein Zahlwert nach 40 Jahren nicht dem gleichen Wert wie zum jetzigen Zeitpunkt entspricht ist eine Abzinsung notwendig. So würden beispielsweise die jährlichen Kosten für Wartung und Pflege eines Kiesdaches mit dem Diskontierungsfaktor DFAKR (3;40) = 23.1148 verrechnet. Für die Wirtschaftlichkeit der Dachbegrünung bedeutet dies einen „Nachteil“. Da die Kosten für die Erneuerung der Dachabdichtung beim Kiesdach erst nach ca. 20 Jahren fällig werden, wird dieser Betrag bei der dynamischen Kostenvergleichsrechnung nahezu halbiert. Die höheren Herstellkosten für die Dachbegrünung zum Zeitpunkt t=0 werden jedoch in voller Höhe mit dem Faktor 1 verrechnet.

 

Tabelle 4 soll diesen Unterschied verdeutlichen. Bei der statischen Kostenvergleichsrechnung überwiegen die Einsparungen die Herstellkosten. Die Gründach-Variante wäre 5.000 € günstiger, als ein vergleichbares Kiesdach.

Tab 4    Gegenüberstellung Statische und Dynamische KVR

Herstellngskosten Dachbegrünung 10.000 € 1.000 €

Kostenersparnis im Vergleich zum Kiesdach (Kiesabdeckung u Erneuerung der Dachabdichtung

 

5.000 € 5.000 € DFAKE (3,20) 0,55368
Jährliche Einsparung durch Energieeinsparung, Abwassergebühren etc. 250 € * 40 Jahre = 10.000 € 250 € DFAKR (3,40) 23,1148 = 5.778,70 €
Differenz Herstellungskosten - Einsparung - 5.000 € 1.452,90 €

 

 

 

 

 

 

 

3.6   Objektbezogene Dynamische Kostenvergleichsrechnungen 

Die für die Wirtschaftlichkeitsberechnung notwendigen Daten wurden mit Hilfe eines Fragebogens spezifisch für jedes Gründach ermittelt. Die Kosten für ein vergleichbares Kiesdach wurden aufgrund verschiedener Veröffentlichungen zusammengestellt. Sie wurden jedoch nicht objektspezifisch angepasst.

Mittels der Dynamischen Kostenvergleichsrechnung wurden für 24 begrünte Objekte die Projektkostenbarwerte ermittelt. Die notwendigen Daten basieren auf Umfragen von SCHÖNEMANN (2004) . Als Vergleich wurden für Kiesdächer der gleichen Größe die Projektkostenbarwerte ermittelt. Sie wurden aufgrund verschiedener Veröffentlichungen zusammengestellt. Diese beiden Projektkostenbarwerte werden einander gegenübergestellt. Die Differenz der Barwerte ermöglicht eine Aussage über die Wirtschaftlichkeit eines Projektes.  Tabelle 5 zeigt den zugrunde liegenden Rechenweg.

 

SCHÖNEMANN (2004): „Wirtschaftlichkeit von Dachbegrünungen“ Tab.5 Vergleich Projektkostenbarwerte Gründach und Kiesdach für ein Dach mit einer Fläche von 1.100 m2

Tabelle 5
Vergleich Projektkostenbarwerte Gründach und Kiesdach für ein Dach mit einer Fläche von 1.100 m²

Kosten Gründach Kiesdach
Investitionskosten 26.699,43 € 7.447,00 €

 

Reinvestitionskosten

13.374,29 €

24.155, 27 € DFAKE (3,20) 0,55368

 
Entwicklungspflege 1 Jahr

501,94

0,47 €/,m2 x 1.100m2 DFAKE(3,10) 0,97087

-
Unterhalt / Wartung

11.133,79 €

045 €/m2 1-1x 1.100m2 DFAKE(3,38) 22.4925

10.424,77 €

0,41 €/m2 a-1*265m2 FDFAKE (3,40) 23.1148

Summe 38.335,16 € 31.246,06 €
Einsparungen Energie 12.713,14 € -
Fördermittel 17.383,92 -
Reduzierung Abwassergebühr

8.136,41 €

0,32 € (1.100m2 DFAKE (3,40) 23,1148

 
Summe Einsparungen 38.233,47  

Projektkostenbarwert

(Kosten - (insparungen)

 

101,89 31..246,06 €

 

 

Bei einem Betrachtungszeitraum von 40 Jahren würde das Gründach in diesem Beispiel einen wirtschaftlichen Vorteil von 31.144,38 € bedeuten. Nach dieser Methode wurde die Wirtschaftlichkeit aller Objekte untersucht. Die Gesamtfläche der untersuchten Gründächer beträgt 14.729 m².

Folgende Kosten und Einsparungen wurden berücksichtigt:

3.6.1 Investitionskosten


Beinhalten beim Gründach eventuell notwenige Maßnahmen zur Verstärkung der Dachkonstruktion, den Begrünungsaufbau und die Fertigstellungspflege. 
Bei den begrünten Dächern wurden diese Kosten für jedes Objekt spezifisch ermittelt.
Beim Kiesdach fallen lediglich die Kosten für die Kiesschüttung an. Die Kosten hierfür wurden jedoch nicht objektspezifisch ermittelt. Sie basieren mit einem Mittelwert von 6,77 €(m-²) auf den Veröffentlichungen von KOLB (2002) und KRUPKA (2001) .

3.6.2 Reinvestitionskosten


Dieser Betrag beinhaltet die Kosten für die Erneuerung der Dachabdichtung bei der Kiesdachvariante nach ca. 20 Jahren. Dazu zählt neben den Kosten für die neue Dachabdichtung (objektspezifisch) auch der Abtrag/Auftrag der Kiesschüttung. Dieser wird nach KOLB (2002) mit einem Wert von 6,14 €(m-²) angesetzt.
Beim Gründach fallen aufgrund der angenommenen Verdoppelung der Lebensdauer der Dachabdichtung keine Reinvestitionskosten an. 
3.6.3 Pflege / Wartung
Pflege und Wartung ist bei beiden Bauweisen nötig, auch wenn sie oft vernachlässigt wird. Mit Ausnahme von Dächern, die in Eigenleistung gepflegt/gewartet werden, wurden bei den Gründächern die Unterhaltskosten objektspezifisch ermittelt. Sie setzen sich zusammen aus einem Jahr Entwicklungspflege und 38 Jahren Unterhaltspflege. Die Fertigstellungspflege ist bereits in den Investitionskosten eingerechnet.
Für die Kiesdachvariante wurde nach KRUPKA (2001) ein Durchschnittswert von 0,41 €(m-²a-1) angesetzt.

3.6.4 Reduzierung Abwassergebühren


Die Entwässerungssituation wurde für jedes Objekt separat ermittelt. Reduzierte Niederschlagswassergebühren bei der Dachbegrünung wurden jedoch nur berücksichtigt, wenn die Dachfläche an die öffentliche Kanalisation angeschlossen ist. In Gemeinden mit einer reduzierten Abwassergebühr für Gründächer werden diese bei den Berechnungen „benachteiligt“, wenn kein Anschluss an die Kanalisation besteht. Dieser wirtschaftliche „Nachteil“ wird jedoch durch geringer zu dimensionierende Versickerungseinrichtungen kompensiert. Da hierfür jedoch fundierte Grundlagen fehlen, ist eine Umrechnung dieses Nutzens in einen wirtschaftlichen Gegenwert momentan nicht möglich.

3.6.5 Energieeinsparung


Wie eingangs bereits erwähnt wurde, werden für die Einsparung aufgrund der isolierenden Eigenschaften bestimmte Zahlen zugrunde gelegt. Sie basieren auf dem jeweiligen Begrünungsaufbau, berücksichtigen jedoch nicht die spezifischen thermischen Eigenschaften jedes einzelnen Gebäudes. Bei nicht klimatisierten Gebäuden (Carport, Garage, etc.) erfolgte keine Anrechnung dieses Nutzfaktors.

4      Ergebnisse

Tab 6       Übersicht Projektkostenbarwerte Untersuchungsobjekte

Objekt

Fläche m2

Gründach Kiesdach € Objekt Fläche m2 Gründach Kiesdach
               
001 21 1.023,75 387,97 013 545 9.110,31 15.991,37
002 36 1.046,18 1.042,94 014 554 25.079,41 19.914,25
003 101 1.537,10 2.006,36 015 650 39,605,71 19.072,28
004 110 1.456,75 2.185,14 016 655 3.281,15 19.218,99
005 172 2.052,78 1.749,17 017 655 18.396,35 19.218,99
006 197 5.318,20 2.003,41 018 675 20.711,20 19.802,82
007 200 4.933,93 2.033,92 019 760 16.863,57 19.745,38
008 265 12.751,34 8.397,80 020 850 12.05,67 24.940,67
009 265 6.664,13 9.192,42 021 903 22.192,47 26.295,79,
010 420 20.676,46 12.323,63 022 1100 33.101,89 31.246,06
011 426 13.091,60 10.786,50 023 2296 20.304,70 73.681,74
012 523 13.937,18 15.345,85 024 23350 26.067,85 58.627,46

 

-

 

 

 5     Interpretation

Die Ergebnisse zeigen, dass Dachbegrünungen auch unter einer streng betriebswirtschaftlichen Betrachtung Vorteile haben können. Allerdings zeigt sich deutlich, dass bei vielen Objekten der betriebswirtschaftliche Nutzen den notwendigen Aufwand nicht aufwiegen kann.

Da es sich bei den untersuchten Objekten um relativ hochwertige mehrschichtige Begrünungsaufbauten handelt, liegen die Herstellungskosten im oberen Preissegment. Durch die Verwendung eines preiswerteren Einschichtsystems ist hier eine Reduzierung des finanziellen Aufwandes möglich. Allerdings reduzieren sich dadurch meist auch die positiven Eigenschaften des Gründaches. So hat ein dünner Einschichtaufbau weniger isolierende Eigenschaften als ein dickerer Mehrschichtaufbau. Auch hinsichtlich der Vegetation bieten die Mehrschichtsysteme mehr Möglichkeiten.
Es wäre jedoch falsch die höheren Projektbarwerte bei einigen Objekten als Argument gegen Gründächer zu interpretieren. Stattdessen gilt es weitere Anreize für die Begrünung der Dachflächen zu schaffen. Dies müssen nicht zwingend direkte finanzielle Zuschüsse sein. Allein schon durch die Berücksichtigung der Gründächer bei der Abwassergebührenberechnung wird die Wirtschaftlichkeit erhöht. Und dies bedeutet ja auch keine Belastung für den kommunalen Haushalt, sondern stellt lediglich eine verursachergerechte Berechnung dar.

Auch die Erschließung weiterer betriebswirtschaftlicher Vorteile für den Bauherrn bietet eine Möglichkeit zur Verbesserung des Kosten-Nutzen Verhältnisses. Im Rahmen eines Entwässerungskonzeptes für einen gesamten Stadtteil etc. kann die Dachbegrünung einen Beitrag zur Verringerung der Spitzenabflüsse schaffen. Die daraus resultierende Reduktion der Kanalquerschnitte bedeutet niedrigere Infrastrukturkosten für das Gebiet. Sie könnten in Form ermäßigter Anschlussgebühren an die Bewohner weitergegeben werden. In Anbetracht des hohen Anteils versiegelter Verkehrsflächen sind hier jedoch ganzheitliche Betrachtungen nötig.

Problematisch bleibt die Wirtschaftlichkeit bei nicht klimatisierten Gebäuden, da hier kein Nutzen durch die isolierende Wirkung des Begrünungsaufbaus entsteht.

6    Fazit

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass eine Dachbegr ünung keinesfalls nur etwas für „Ökofreaks“ ist. Mit einer Dachbegrünung lässt sich in Form von finanziellen Einsparungen durchaus auch noch Geld „verdienen“. Berücksichtigt man zusätzlich noch die ökologischen und volkswirtschaftlichen Vorteile eines Gründaches so kann man sich nur den Worten von Le Corbusier anschliessen:

„Ist es nicht wahrhaft wider aller Logik, wenn eine ganze Stadtoberfläche unbenutzt und der Zwiesprache der Schiefer mit den Sternen vorbehalten bleibt?“   (Le Corbusier).

 7   Quellen

Basler&Hofmann: „Alterungsprobleme und Verbesserungsmassnahmen bei PVC-P-Bahnen“ Kurzbericht der Untersuchung im Auftrag der Sarnafil AG, Sarnen (1998)
Ernst, Wolfgang: „Dachabdichtung – Dachbegrünung“ (2001)
Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB): „Auswertung der Umfrage Dachbegrünung an Stadtverwaltungen von Städten über 10.000 Einwohner“ gefunden auf http://www.fbb.de/Foerderung/Umfrage/ZuschussPLZ.html am 03.07.2005
Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V. (FBB): „Auswertung der Umfrage Dachbegrünung an Stadtverwaltungen von Städten über 10.000 Einwohner“ gefunden auf http://www.fbb.de/Foerderung/Umfrage/GespAWSPLZ.html am 03.07.2005
Huber & Suhner AG: „Sonderdruck aus BAU-INFO“ (1994)
Kolb, Walter: „Dachbegrünung wirtschaftlich“ in Veitshöchheimer Berichte aus der Landespflege, Heft 66, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Abteilung Landespflege, Veitshöchheim (2002)
Krupka, Bernd W.: „Extensive Dachbegrünungen – Praxisempfehlungen und Kostenbetrachtungen“, Landesinstitut für Bauwesen des Landes Nordrhein-Westfalen (LB), Aachen (2001)
Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA): „Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen (KVR-Leitlinien)“, Kulturbuchverlag, Berlin (2005)
Pinter, Judith Horvathne: „Dämmwirkung des Aufbaus von Gründächern“ in Tagungsband EFB-FBB Symposium 2003, Fachvereinigung Bauwerksbegrünung e.V., Ditzingen (2003)
Schönemann, Sven: „Wirtschaftlichkeit von Dachbegrünungen“ Diplomarbeit im Studiengang Landespflege an der Hochschule Anhalt (FH), Bernburg (2004)
Vital, Jon-Duri: „Wahl eines Flachdachsystems aus der Sicht der Bauherrschaft“ Sonderdruck aus Schweizer Ingenieur und Architekt 38/1996, Zürich (1996)