Herbert Sukopp

 

 

* 1930, Berlin. Herbert Sukopp studierte an der Pädagogischen Hochschule (PH) Berlin mit dem Wahlfach Biologie und legte 1953 das Lehramtsexamen ab. Als Hilfsassistent an der PH studierte er an der Freien Universität Berlin (FU) Botanik, Geologie und Soziologie. Er wurde dort 1957 am Institut für Systematische Botanik und Pflanzengeographie Wissenschaftliche Hilfskraft und 1958 mit einer Arbeit über die Berliner Moore zum Dr. rer. nat. promoviert.

 Sukopp war zunächst Assistent am Institut für Angewandte Botanik, an dem er sich 1968 habilitierte und 1969 eine Professur bekam. Mit seinen Kollegen führte er dann drei Institute zum Institut für Ökologie zusammen und übernahm 1974 die Leitung des neugegründeten Fachgebiets Ökosystemforschung und Vegetationskunde. Bis nach der Emeritierung 1996 betreute er Diplomanden und Doktoranden auch von der FU.

 Sukopp gilt als ein "Vater der Stadtökologie". Die isolierte Lage West-Berlins lenkte sein Interesse auf den wechselseitigen Einfluss von Mensch und Natur, das Ausmaß und die Folgen menschlicher Eingriffe auf Pflanzen, Tiere, Klima, Böden und Gewässer. Seine Untersuchungen führten zur ersten "Roten Liste" der Farn- und Blütenpflanzen für die Bundesrepublik Deutschland 1974 und 1977/78 für Europa. Seine ersten Kartierungen städtischer Biotope wurden inzwischen wissenschaftlicher Standard. Sukopp entwickelte in der Ökosystemforschung eine Untersuchungssystematik, die den Umweltverträglichkeitsstudien zugrunde liegt und sich etwa im Berliner Umweltatlas niederschlug. Das Konzept des "Natürlichkeitsgrades" (Jaakko Jalas, 1955) baute er für besiedelte Gebiete aus.

 Sukopp verflocht stets Grundlagenarbeit mit angewandten Fragen und setzte auf die Diskussion zwischen Wissenschaftlern, Planern, Politikern und Bevölkerung. In der Überzeugung, der Naturschutz in Städten müsse den Menschen dienen und daher vor allem die Klima- und Lufthygiene beachten, half er, in Berlin schädliche Eingriffe des Menschen zu verhindern (Kraftwerk Oberhavel) oder abzumildern (Autobahnzubringer durch den Tegeler Forst), aber auch aufgrund seiner Untersuchung der Ufervegetation der Havel, die zum Röhrichtschutzgesetz führte, die Renaturierung der Ufer durchzusetzen. Mit freundlicher, dialogfähiger Sachlichkeit und wohlüberlegter, beharrlicher Argumentation entfaltete er große Wirkung für den Menschen und seine Umwelt.

 In zahlreichen Gremien für Naturschutz, Landschaftspflege und Umweltfragen war er ab 1974 zunächst in Berlin, dann auch auf Bundesebene und beim Europarat, im IUCN und für die UNESCO beratend oder leitend ehrenamtlich tätig. Seine wissenschaftlichen Verdienste wurden mit dem Ehrendoktorat der TU München gewürdigt, die Mitgestaltung politischer und gesellschaftlicher Prozesse im Sinne des Naturschutzes wurde 1983 mit dem Bundesverdienstkreuz, 1987 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin, Preisen und Ehrenmitgliedschaften ausgezeichnet. Sukopp wurde zudem als Mitglied in die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung und 1995 in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

Lit.: Dynamik und Konstanz. Festschrift für Herbert Sukopp, zusgest. von Ingo Kowarik ..., Bonn-Bad Godesberg 1995 (= Schriftenreihe für Vegetationskunde; Bd. 27).